Angela Piekoschowski
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen
 

                           

 

Heimweh - die  kleine Trauer

Dieses Gefühl der Trauer trifft viele Menschen irgendwann einmal... Heimweh ist ein Gefühl, dass wir ernst nehmen müssen.

Vor allem Kinder kennen dies, wenn sie das erste mal mit der Klasse ins Schullandheim fahren und sie sich allein fühlen, obwohl doch die Freunde aus der Klasse da sind und die Klassenfahrt viel Spass verspricht.

Aber auch Erwachsene kennen das Gefühl des Heimweh's nach Vertrautem, der Familie, den Freunden, z.B. wenn ein Berufswechsel an neuem Ort ansteht oder der Studienplatz nicht im gewohnten Umfeld liegt.

Doch was genau ist eigentlich Heimweh?

Heimweh wird eher als ein Trennungsphänomen oder eine Art Minitrauer beschrieben. Der Zustand schmerzt (Trennungsschmerz), die Gedanken sind fixiert, die Stimmung ist gedrückt, oft schlägt sich das Heimweh auch auf den Magen nieder und das Immunsystem ist  heruntergefahren.

Menschen, die das Heimweh trifft, verspüren Gefühle der Einsamkeit, denken oft, dass sie am neuen Ort nicht glücklich werden können und möchten nur eins : wieder heim!

Heimweh resultiert aus einer unterbrochenen Bindung an die Heimat, die nicht unbedingt der Geburtsort sein muss. Da stellt sich sofort die Frage: Ja, was bedeutet denn überhaupt Heimat?

Heimat ist in der Regel dort, wo man sich "Zuhause" fühlt. Dass muss nicht ein Land, eine Stadt, ein Dorf sein, sondern kann auch eng mit der Familie, den Freunden und/oder den Lebensweisen zusammenhängen.

Also alles, was die Menschen innerlich miteinander verbindet.

Wenn Probleme bestehen, sich an die neue Umgebung und neue Menschen zu gewöhnen, kann dies zu Anpassungsstörungen führen, die das Heimweh auch verstärken können.

Heimweh kann aber auch einem guten Zweck dienen. Es hilft, gewachsene Bindungen zu pflegen und Kontakt zu halten mit geliebten Menschen.

Es gibt aber durchaus Unterschiede:

Ein Schulkind, fährt auf Klassenfahrt in dem Wissen, dass es in einer Woche wieder zu Hause bei der Familie ist. Ein erwachsener Mensch, der vor Krieg und schlimmen Erfahrungen flüchtet, kann oft nie mehr in seine Heimat zurück.

Dies sind jedoch zwei völlig unterschiedliche Trauerphänomene. Das Kind erlebt mit seinem Heimweh ein singuläres begrenztes Gefühl.

Der erwachsene Migrant erlebt Heimweh als viel komplexeres Problem. Er muss die Kultur und seine Identität aus der Heimat mit der Kultur und den Gegebenheiten am neuen Wohnort zusammenbringen. Dies gelingt nicht immer. Viele Migranten können mit dem Gefühl Heimweh zunächst nichts anfangen. Sie unterdrücken dieses sogar, um sich besser in die neue Gesellschaft integrieren zu können.

(dies sind nur Beispiele, die jedoch das Leid der geflüchteten Menschen an dieser Stelle nicht umfassend darstellen können)

Heimweh nicht einfach so abtun, denn es führt oft in eine Spirale...

Studierende fühlen sich oft leistungsgemindert, sie können sich schlecht konzentrieren oder gehen nicht zu Vorlesungen. Untersuchungen belegen, dass Studenten mit Heimweh dreimal so oft die Uni verlassen wie andere Studierende.

In weiteren Untersuchungen wird versucht, zu ergründen, warum manche Studenten, deren Heimatort nur wenige Stunden entfernt liegt, mehr Probleme mit Heimweh haben als Studenten, die aus fernen Ländern kommen, um hier zu studieren.

Insgesamt scheint es einen Schutz vor Heimweh zu geben, wenn bereits im Kindesalter gute Beziehungen zu Gleichaltrigen bestehen und die Kinder über ein positives Selbstkonzept verfügen.

Die Unterschiede bei der Anfälligkeit für Heimweh finden sich auch in der Persönlichkeit der Menschen. Meist erwischt es vor allem die Menschen, die emotional wenig stabil und eher ängstlich sind. Auch introvertierte, unsichere  Menschen mit wenig Selbstbewusstsein trifft es eher als andere. Besonders anfällig für Heimweh sind Menschen, die in ihrer Heimat besonders stark vernetzt sind oder sogar eine/n Partner/in zurücklassen.

Weltweite Studien belegen, dass es keinen großen Unterschied in der Betroffenheit zwischen Männern und Frauen gibt. Aber Frauen suchen sich eher Hilfe, wenn diesbezügliche Symptome offenbar werden.

Wenn das Heimweh das Leben zu stark beeinträchtigt, hilft es, sich in der Übergangsphase professionell begleiten zu lassen.

Was kann helfen?

Vor Klassenfahrten: Eltern können den Kindern bereits vor der Abfahrt Hilfestellung leisten, in dem sie den Kindern Vertrauen und Optimismus vermitteln. Sagen Sie den Kindern, dass die Klassenfahrt ein tolles Erlebnis wird.  Vielleicht trainieren Sie das "Alleinsein", indem das Kind vorher häufiger mal bei einem Freund/Freundin übernachtet.

Nicht hilfreich ist es, den Kindern zu versprechen, dass man sie im Notfall jederzeit abholen wird. Das kann Kinder verunsichern und das Selbstbewusstsein aushebeln.

Während der Klassenfahrt: In der Regel bekommen Kinder an mindestens einem Tag Heimweh. Dann hilft es, die Kinder körperlich zu beschäftigen. Gemeinsame Spiele fördern die soziale Bindung untereinander, sie werden abgelenkt und was auch sehr wichtig ist, die Kinder erhalten dadurch ihre Kontrolle über ihre Gefühle zurück. Die Betreuer/Lehrer können darüber hinaus mit den Kindern täglich den Kalender durchgehen, um das Zeitgefühl zu stärken und zu strukturieren.

Und erwachsene Heimwehbetroffene?

Auch hier wird die körperliche Aktivität besonders hervorgehoben. Hilfreich ist es, sich gleichgesinnte Menschen zu suchen und sich nicht zurückzuziehen. Ständiger Kontakt zur Heimat, z.B. über die heutigen modernen Medien, ist wenig hilfreich und verstärkt das Heimweh unnötig.

Das trifft auch für Menschen mit Migrationshintergrund zu. Menschen, die sich in der neuen Umgebung nur mit Menschen aus der alten Heimat treffen, können wenig gegen ihr Heimweh ausrichten, es verstärkt dieses sogar. Hilfreich ist eine gesunde Mischung, also Menschen und Kultur aus alter und neuer Heimat...